Versagt

Beitragsbild zur Gedankenlyrik "Versagt"

Hallo meine lieben Raben und willkommen zur neuesten Gedankenlyrik (Irgendwie klingt das besser als „Poetry Slam“, vor allem wenn man bedenkt, dass ich den Mut nicht besitze, an einem solchen teilzunehmen.).
Heute geht es um einen Text, dessen erste Zeilen mir einige Tage immer wieder durch die Synapsen gemeißelt kam und den ich nicht zuletzt auch deswegen nun zu „Papier“ bringe, damit er nicht den letzten kleinen Rest Verstand pulverisiert.

Ich weiß nicht mehr genau, wie alles seinen Anfang nahm, immerhin habe ich den zugrundeliegenden Track schon eine ganze Weile nicht mehr gehört.
Er muss mich aber ziemlich beschäftigt haben, denn einmal begonnen, floss er recht fleißig in die Tasten, und auch die Bearbeitung ging weitaus schneller vonstatten, als ich es von den meisten meiner Texte gewohnt bin.

Doch nun … viel Spaß damit!

Versagt

Wir haben von Atomschutzbunkern gesungen, davon, dass die Welt untergeht und haben währenddessen gehofft, wir würden es irgendwie noch verhindern können.
Spoiler: Konnten wir nicht.

Wenn ihr diese Zeilen hier findet, geschrieben auf altem Papier, denn Computer gibt es längste keine mehr und neues Papier ist rar, dann gibt es uns nicht mehr.
Und ganz gleich, ob ihr eine fremde Spezies seid, die auf ihrer Sightseeing-Tour durchs All einen weiteren abgestorbenen Planeten besichtigt oder unsere Nachmieter auf diesem ehemals – und hoffentlich bald wieder – schönen Planeten: Bitte seid schlauer als wir.

Aber halt stopp … Ihr werdet sicherlich wissen wollen, was passiert ist.

Nun, eine ganze Menge schlauer Leute haben davor gewarnt, zu viel der Vergangenheit aus dem Boden zu reißen und über den Umweg der Verbrennung in die Luft zu schießen, und ein kleiner Haufen reicher Leute – viele von ihnen reich durch Verbrennung – hat dann entschieden, diese Warnungen zu ignorieren.

Und eine Zeitlang ging das auch gut, zumindest sah es so aus.
Man wartete auf neue Technologien, oder Technogien wie eine wortgewandte Lobbyistin im Wirtschaftsministerium es einst nannte, während man fröhlich weiter Löcher in den Boden riss, als würde es kein Morgen geben.

Bis der Morgen dann kam und es kippte.
Und wie sie nicht alle gekippt sind. Erst das Klima, dann das Wetter und dann die Menschen … reihenweise.

Viele von letzteren sogar mehrfach.
Erst aus den Latschen, und dann ins Grab.

Jetzt liegen sie dort, ruhig und ewig schlummernd. Unter ihnen auch jene, die nicht an Fakten glaubten, was diesen aber merkwürdigerweise vollkommen egal war … sowas aber auch.

Zurück blieben wir, die wir versucht haben etwas zu ändern.
Wir und unsere Kinder.
Wir, die wir selbst zwar auch nicht perfekt waren, niemand hat das je behauptet, wir waren laut und wurden doch nicht gehört.

Ja und nun löffeln wir halt eben jene Suppe aus, an der wir nicht mitkochen durften, und deren Köch*innen schon lange unter der Erde sind.
Wir müssen leiden, weil die, die etwas zu sagen hatten, uns nicht zuhören wollten.

Aber zum Glück wird unser Leid nicht lange dauern, denn auch wir werden sterben.

Denn das Klima, es kippt noch immer.
Und je weiter es kippt, umso kleiner werden die letzten bewohnbaren Stellen auf diesem Planeten.
Und weil wir Menschen uns noch immer weigern aus der Vergangenheit zu lernen, werden die Kämpfe um diese Stellen immer größer.

Ja, wir werden sterben.
Wir und unsere Kinder

Aber wenn wir weg sind, kann der Planet sich erholen.
Und während der Planet sich erholt, kann die Natur dazulernen und neu anfangen.

Hoffentlich ist sie dabei erfolgreicher als wir.
Denn wir … wir haben versagt.

 

Patricius de Corax

Grundlage für das Beitragsbild: Pixabay