Ask the Chars – Im Gespräch mit Leon

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Wenn ich an die ersten Interviews der ursprünglichen Seite, also vor dem kompletten Datenverlust zurückdenke, dann muss ich zugeben, dass jenes mit Leon, in der Kategorie “Weird” definitiv einen der vorderen Plätze, wenn nicht gar die Pole-Position einnimmt.

Der Ort: ein kleiner Tisch bei Brücke 3 an den Hamburger Landungsbrücken, dort, wo tagsüber die Hafenfähren anlegen.
Die Zeit: Mitten in einer kalten, regnerischen Nacht.
Die Stimmung: Freundlich distanziert, höchst professionell und definitiv “mystisch”.

Bei einem heißen Coffee to go für mich und einem selbst mitgebrachten fremdländischen roten Tee, wie er ihn selbst nannte für Leon, unterhielten wir uns über die Vorkommnisse im ersten Band von Vampire Squad, über die Zusammenarbeit mit den anderen und auch über seine Freundschaft mit Mireille, die nicht nur in den Büchern, sondern vor allem auch im wahren Leben existiert, wie er mit stolzer Brust berichtete.

Wir redeten über alles und jeden … naja, FAST jeden.
Denn während Leon ausgiebig und ohne zu zögern über die anderen sprach, machte er seinem einsilbigen Ruf alle Ehre, sobald das Thema auch nur im Ansatz auf ihn zu schwenken drohte.

Und auch wenn seitdem bereits eine Menge Wasser die Elbe hinab geflossen ist, so glaube ich nicht, dass ich heute mehr Glück haben werde. Klar, Menschen können sich ändern, aber da liegt halt auch der Hund begraben (Wer kam eigentlich auf diesen Spruch, was hat der arme Hund euch denn getan?). Kann man sich bei Leon wirklich sicher sein, dass er ein Mensch ist? Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, ich bin vielleicht nicht der Letzte, der alles glaubt, was irgendwo geschrieben steht, dafür sind meine Fantasie und meine Neugier einfach zu groß, aber auch meine Leichtgläubigkeit hat ihre Grenzen.

Aber mal ganz ehrlich?
Was wäre wenn?
Ich will nun nicht den Klappentext des ersten Bandes zitieren, aber …

Was wäre, wenn Vampire Squad mehr als nur eine Urban Fantasy Trilogie über Hexen, Vampire und Co in Hamburg ist, sondern vielmehr eine Art Erlebnisbericht?

Viel Zeit um diesem Gedanken nachzugehen habe ich allerdings nicht, denn Schlag Mitternacht, ganz so als hätte er um die Ecke gewartet, trifft Leon an der Bank ein, an der wir uns verabredet haben. Es ist genau jene Bank, an der er im ersten Band auch zum ersten Mal auf Mario trifft.
Wie bei unserem Treffen an der Elbe schon, so hat er auch heute wieder sein eigenes Getränk dabei – Tee, wie er antworten würde, wenn ich ihm denn die Frage stellen sollte.

Leon: “Schön, dass wir uns wiedersehen. Verzeih’mir’ mir bitte, dass es wieder mitten in der Nacht ist. Aber die internen Verpflichtungen ließen leider keinen für dich angenehmeren Termin zu.”

PdC: “Kein Problem. Eigentlich habe ich dafür zu danken, dass Sie sich noch einmal …

Ich weiß, dass es Leon’s Stimme ist, die da zu mir spricht, und wer auch immer es ist, sieht auch so aus wie Leon, aber seit wann duzt er jemand anderen als Mireille?

Leon räuspert sich und streckt mir, leicht pikiert dreinblickend die Hand zur Begrüßung.
Ich ergreife sie und entscheide mich spontan dazu, die eigentlich geplante erste Frage hintenanzustellen.

LdC: “Alles in Ordnung?”

Leon: *überlegt einen Moment* “Ach, es ist Mireille’s Idee gewesen. Also nicht das Treffen, sondern dass ich es mal mit etwas mehr Nähe und einem Hauch weniger unterkühlter Distanz versuche. Sie meint, es würde mich menschlicher wirken lassen.”

LdC: “Und? Wie läuft es bisher?”

Leon: “Das müssten Sie … Ähem, das müsstest du mir beantworten, ich folge ihrer Bitte heute zum ersten Male, und es …”

LdC: “Es fühlt sich nicht gut an?”

Leon: “Es ist mir ein Gräuel. Es fühlt sich …”

LdC: *ich unterbreche ihn* “Also wenn es so unangenehm ist, wir müssen uns nicht duzen. Sie ist vollkommen fine, ich meine in Ordnung für mich.”

Leon: *sichtlich erleichtert* “Wenn das denn ginge? Ich meine, wenn es dir … Ihnen nicht zu viele Umstände macht. Oh bei allem, was heilig ist, Mireille wird mich lynchen, wenn sie davon erfährt.”

LdC.”Muss sie ja nicht.”

Leon: “Sie liest Ihre elektronische Gazette mit großer Aufmerksamkeit. Also sie hat es getan, als es sie noch gab. Ich bin mir sicher, dass sie damit fortfahren wird, sobald sie wieder verfügbar ist.”

LdC: “Die Seite gibt es schon längst wieder, also hat sich das mit der Geheimhaltung auch erledigt. Aber zumindest wird sie dann auch sehen, dass Sie redlich bemüht waren. Das muss doch auch schonmal was wert sein.”

Leon: “An sich stimmt das, aber Sie kennen Mireille schlecht, sie …”

LdC: *ich unterbreche ihn erneut, damit es nicht wieder nur um andere geht* “Nun wo wir das geklärt haben, kommen wir zur ersten eigentlichen Frage. In den vergangenen beiden Interviews mit Mireille und Carmen klang ja durch, dass die Reaktionen innerhalb der Vampire Squad ja durchaus, sagen wir mal, ambivalent waren, wenn es um den erneuten Relaunch. Wie ist da Ihr eigener Standpunkt?”

Leon: “Ach wissen Sie, wenn man so lange lebt, wie ich, hat man schon einige “Relaunches”, wie Sie es nennen erlebt.” *Er hält einen Moment inne, um an seinem “Tee” zu nippen* “Wenn ich ehrlich bin, bekomme ich sowas kaum noch mit. Es ist aber auch nicht wirklich von Belang, schließlich geht der Kampf, Pardon, ich meine … das Leben geht ja schließlich weiter, auch ohne dass man darüber schreibt.”

LdC: “Also sind Sie nicht irgendwie sauer oder anderweitig verstimmt?”

Leon: “Verstehen Sie mich da bitte nicht falsch. Natürlich empfindet man, beziehungsweise ich, ein gewisses Maß an Enttäuschung, wenn die Veröffentlichung der Berichte über die eigenen Erlebnisse immer wieder auf’s Neue vertagt wird. Nicht so sehr wegen des eigenen Geltungsempfindens, dieses habe ich, zumindest nach aktuellen gesellschaftlichen Standards, bereits seit geraumer Zeit abgelegt. Es ist eher die Enttäuschung, dass Zusagen nicht eingehalten worden sind.
Zwar verstehe ich die Beweggründe dahinter, keine Frage, aber …”

LdC: “Aber ein gewisses negatives Gefühl nistet sich dann trotzdem in einem ein, verstehe.”

Leon: *nickt* “So ist es.”

LdC: “Und doch scheinen Sie eher positiv, oder zumindest neutral an die Sache ranzugehen. Wie kommt’s?”

Leon: “Nun, Enttäuschungen entstammen immer auch ein wenig der eigenen Erwartung. Nun kann man natürlich sagen, der Autor hat mehrfach versprochen, nun endlich weiterzumachen und hat das dann nicht getan. Das ist wortbrüchig, keine Frage. Aber hilft es meinem Anliegen, wenn ich ihm das immer wieder zum Vorwurf mache, egal wie berechtigt es wäre? Wenn jemand schon am Stolpern ist, dann wird es ihm nicht helfen, Sprunghürden aufzustellen, wenn er gerade Anlauf nimmt.”

LdC: “Also glauben Sie daran, dass er es schafft, dass er diesmal sein Wort hält?”

Leon: “Das habe ich so nicht gesagt. Aber ich würde mich für ihn freuen.”

LdC: “Thema Freude. Was macht Ihnen denn am meisten Freude an der Zusammenarbeit mit Patricius, wenn nicht gerade mal wieder Funkstille herrscht?”

Leon: “Das ist eine sehr gute Frage, vor allem nach all den bisherigen Belanglosigkeiten. Ich glaube, es ist die Tatsache, dass man ihm anmerkt, dass ihm die Arbeit tatsächlich etwas bedeutet.”

LdC: “Inwiefern? Er schreibt doch nur die Berichte und arbeitet diese dann auf.”

Leon: “Faktisch ist das durchaus richtig. Aber es besteht durchaus ein Unterschied darin, ob man eine schnöde Liste der Ereignisse fertigt, oder ob man mit Worten versucht, Bilder zu malen. Beides führt mehr oder weniger zum Verständnis der Ereignisse, aber nur eines davon bleibt in der Regel in Erinnerung. Und bevor Sie fragen. Nein, ich glaube nicht, dass er die schönsten Bilder malt und schon gar nicht, dass er alles richtig macht. Aber ich vertraue darauf, dass er weiterhin sein Bestes geben wird, zumindest nah dran zu kommen.”

LdC: “Eine letzte Frage noch. Was macht Ihnen am meisten Spaß an der Zusammenarbeit mit Patricius, bzw. bei der Vampire Squad an sich?”

Leon: “Das ist eine überraschend einfach zu beantwortende Frage. Was mir an Patricius gefällt, ist sein Wille, es weiter zu versuchen, auch wenn es für ihn selbst ein Haufen Arbeit – größtenteils an sich selbst – wird. Wenn ich die gesamte Vampire Squad betrachte, dann würde ich sagen, dass es der Zusammenhalt ist.”

LdC: “Eine ziemlich diplomatische Antwort.”

Leon: “Und eine äußerst klischeehafte noch dazu, ich weiß.Und doch ist es die Wahrheit. Vielleicht funktionieren wir aber auch gerade deswegen so gut..”

LdC: “Ich fürchte, ich verstehe nicht ganz.”

Leon: “Stellen Sie sich zwei Puzzles vor. Welches würde eher funktionieren, eines, bei dem alle Teile unterschiedlich sind, oder eines, bei dem sie das erste Teil nicht vom letzten unterscheiden können?”
*er blickt auf die Uhr und wird hektisch*
“Und nun entschuldigen Sie mich bitte, die anderen warten bereits auf mich.”

LdC: “Ein weiteres Treffen mit der restlichen Besetzung?”

Leon: “Lassen Sie es mich so sagen … Patricius wird schneller schreiben müssen, wenn er selbst nichts verpassen will.”

LdC: “Dann mal vielen Dank für das Interview …” *mein Blick fällt auf die Stelle, an der Leon eben noch stand* “Verdammt. Jedes Mal wieder.”