Spiegeldämon

Beitragsbild zu Spiegeldämon

Kennt ihr ihn auch?

Diesen einen kurzen Moment, wenn ihr am Spiegel vorbeigeht?
Man weiß, man sieht sich selbst, aber manchmal wirkt irgendetwas anders, irgendwie düster.
Vielleicht liegt es ja daran, dass dort, auf der anderen Seite des Spiegels tatsächlich noch etwas anderes auf uns wartet, als nur unser eigenes Spiegelbild.
Aus diesen Gedanken, und aus düsteren Launen bezieht er seine Existenz, der Spiegeldämon.
Der Spiegeldämon ist einer meiner neueren Texte, wenngleich auch kein wirklich neuer ist.
Ich schrieb ihn 2020, als ich (mal wieder) eine meiner dunkleren Phasen hatte. Was mich dazu bewogen hat, weiß ich so genau eigentlich nicht mehr, aber in diesem Gedicht verarbeite ich nicht nur einen Teil meiner Depressionen, sondern auch dieses merkwürdige Gefühl, wenn man beim Vorbeigehen am Spiegel denkt, etwas gesehen zu haben, oder die Streiche, die unser Hirn uns spielt, wenn wir unserem eigenen Spiegelbild zu tief in die Augen schauen und dabei „loslassen“.
Doch wer weiß …
Vielleicht sind es ja doch keine optischen Täuschungen?
Ich habe damals auch den Versuch gewagt, das Gedicht zu vertonen.
Leider besaß ich damals noch keine wirkliche Software dafür und als Mikrofon diente das eingebaute an meinem damaligen Headset, aber bis ich es schaffe, mich an eine Neuauflage zu setzen, möchte ich euch die alte, ursprüngliche Version nicht vorenthalten.
Sobald ich das Gedicht neu eingesprochen habe, werde ich auch wieder ein Video daraus machen und dieses hier dann entweder ersetzen oder für einen „Vorher – Nachher Vergleich“ hier stehen lassen – mal schauen.

Das Gedicht in geschriebener Form

Blicke ich in einen Spiegel, und sei es für den Moment auch nur, ich erschrecke mich.
Dunkle Augen, fremde Züge, ein Wesen, das nicht mir entspricht.
Hinter spiegelnd glatter Fläche verharrt das Ding, regungslos und schaut mich an.
Als wüsste es, dass, wann immer es will, es mich auch kriegen kann.
Ich schaue in den Spiegel, oder schaut der Spiegel doch in mich hinein?
Beide Wege erscheinen möglich, in dieser Welt aus Trug und Schein.
Dieser Dämon, er grinst, er lacht, er weint mit mir.
Wie ein dunkler Freund. Er ist immer da, bin ich nur hier.
Manchmal steh ich vor dem Spiegel, und fühl mich dann mit ihm allein.
Doch siehe da, mein Antlitz wandelt sich, und wieder schaue ich in seins.
Dieser Dämon, dessen Züge den meinen ähneln immer mehr.
Dessen Augen wie die meinen sind, dunkel, traurig, schwarz, und leer.
Er begleitet meinen Weg, von der Menschheit bis zur Hölle hin.
Erneut stehe ich vor ihren Pforten. Und mit einem Mal kann ich ihn sehen. Ich verstehe ihn, den tieferen Sinn.
Blick ich nun in einen Spiegel, und sei die Zeit auch noch so lang …
… nie wieder erschreck‘ ich mich.
Denn eins hab ich gelernt in all den Jahr’n.
Dieser Dämon in dem Spiegel dort … … das bin ich.

Patricius de Corax

Grundlage für das Bild: elHelfer auf Pixabay