Wer sich ein Buch mit Traumreisen holt, oder im Netz nach solchen sucht, tut das in der Regel nicht, um sich selbst auf eine Reise zu schicken. Klar kommt das auch mal vor, aber die meisten werden es sich holen, um die Geschichten anderen vorzulesen.
Aber wer zum ersten Mal eine Traumreise vorlesen möchte, wird sich vielleicht Gedanken um das “Wie” machen, und genau dafür soll dieser kleine Guide gedacht sein.
Natürlich gibt es keinen allgemeingültigen Leitfaden, wie eine Traumreise abzulaufen hat, aber der eine oder andere Hinweis wird hoffentlich ein wenig hilfreich sein.
Seid vorbereitet
Klingt vielleicht ein wenig unspontan, ist aber durchaus etwas, was ich als wichtig empfinde.
Natürlich müsst ihr euch die Texte nicht auswendig aneignen, versteht mich da nicht falsch, aber im Gegensatz zum Vorlesen einer “normalen” Geschichte, hat ein Verlesen einen deutlich stärkeren Impact auf den Lesefluss. Abhängig von der/den Person/-en, welche sich auf die Reise begibt/begeben, reichen die Auswirkungen von kaum existent bis hin zur völligen Unfähigkeit, sich erneut auf die Traumreise einlassen zu können.
Lest euch die jeweilige Reise das eine oder andere Mal durch, und markiert euch eventuell auch die Stellen, bei denen ihr das Gefühl habt, dass ihr dort ins Schleudern kommen könntet. Das reduziert im Idealfall das Risiko, sich zu verlesen, oder anderweitig ins Stocken zu kommen.
Kennt eure Reisenden
Eigentlich eine Fortsetzung von “Seid vorbereitet”, aber in meinen Augen wichtig genug, um einen eigenen Absatz daraus zu machen.
Wenn ihr die Reisenden ausreichend kennt, könnt ihr eure Leseart auf sie ausrichten und ihnen so eine noch angenehmere Reise bieten. Auch könnt es so vermeiden, dass ihr die Träumenden so mit Themen konfrontiert, in deren Gegenwart sie sich unwohl fühlen würden.
Was die von mir verfassten Traumreisen angeht, so versuche ich ihnen nach bestem Wissen und Gewissen eine Triggerwarnung mit Phobien voranzustellen, denen die Träumenden während dieser Reise ausgesetzt werden können.
Da ich aber kein Psychologe bin, kann ich meine Hand für die Vollständigkeit der Liste leider nicht ins Feuer legen. Auch sind Phobien nicht immer gleich stark ausgeprägt oder mit denselben Triggern versehen.
Deswegen erinnere ich hier auch nochmal an den ersten Punkt.
Wenn ihr unsicher seid, sprecht mit den Träumenden.
Ist dann noch immer etwas unklar, geht lieber auf Nummer sicher und entscheidet euch für eine andere Geschichte.
Sorgt für Ruhe
Ruhe zu finden ist nicht immer leicht.
Gerade in Großstädten in denen immer etwas los ist, ist es geradezu unmöglich, einen Moment der absoluten Stille zu finden, ich kenne das aus eigener Erfahrung, die ich einst während meiner Therapie in der Tagesklinik machen durfte.
Dennoch … versucht euer Bestes, um den Raum oder die Umgebung so ruhig und still wie möglich zu bekommen. Alles was die Immersion, also das Eintauchen in die Situation und den Genuss der Reise stören könnte, sollte vermieden werden, und da Traumreisen nunmal über das Gehör führen … ich bin mir sicher, ihr wisst, was ich damit sagen will.
Handys, Radios, Fernsehgeräte und so weiter, alles no gos – mit einer Ausnahme: Musik.
Ich weiß, ich weiß. Erst rede ich mir hier einen Wolf, dass ihr für Ruhe sollt und nun schlage ich Musik vor?
Ja, das passt zusammen, und im nächsten Abschnitt erkläre ich euch auch, warum.
Entspannung ist Key
Gut, bei einer Traumreise klingt das schon fast zu offensichtlich, sollte meines Erachtens nach aber trotzdem erwähnt werden.
Das Ziel einer Traumreise ist es, den Geist zu entspannen. Ein erster Schritt auf dem Weg dorthin ist es, den Körper in die Reiseplanung einzubeziehen und auf eben jene vorzubereiten.
Das gilt übrigens nicht nur für die Reisenden, sondern auch für die Reiseleitung.
Während es für die Reiseleitung zwar empfehlenswert ist, entspannt aber dennoch aufrecht zu sitzen, um so eine möglichst angenehme Sprechweise zu ermöglichen, so empfiehlt es sich für die Träumenden, möglichst zu liegen. Zwar gibt es hier kein falsch, und wenn ihr euch auf dem Kopf stehend am besten entspannt, dann ist das auch legitim so, aber die Erfahrungen haben mir gezeigt, dass eine liegende Position – ganz gleich in welcher spezifischen Haltung – es doch um einiges einfacher machen, diese Welt los- und sich selbst fallenzulassen.
Helfen kann hierbei – und so schließt sich der Kreis – ruhige, sphärische Musik, die nicht zu schnell ist und ohne Texte, die einen ablenken, daherkommt.
Erwartet keine Wunder
Ich mein, natürlich ist es wünschenswert, dass die Traumreisen immer für alle Beteiligten ein voller Erfolg werden. Verfallt aber bitte nicht in Perfektionismus, sondern erlaubt euch eure Menschlichkeit, denn auch das hilft den Träumenden bei der Reise, schließlich klingt eine menschliche Stimme um einiges angenehmer und ermöglicht eine tiefere Immersion, als jede glatt geleckte fehlerfreie Stimme es könnte.
Findet euren eigenen Weg
Alles was ich euch bisher an die Hand gegeben habe, sind “nur” Tipps und Hinweise. Lieb gemeint zwar, aber eben nur Tipps und Hinweise. Sie sind weder komplett (befürchte ich), noch sind sie allgemeingültig. Nehmt davon mit, was sich für euch richtig anfühlt, lasst fallen, womit ihr absolut nicht klarkommt und fügt hinzu, was eurer Meinung nach fehlt.
Ich wünsche euch und euren Träumenden angenehme Reisen.
Patricius de Corax