28. März 2017 | Posted in Abseits des Schreibens | By

Seitdem ich Autor bin und mich auf den sozialen Netzwerken in diversen Gruppen mit meinesgleichen (Hilfe, klingt das eingebildet…) umgebe, kam es immer wieder mal vor, dass ich gefragt wurde, ob ich das wirklich so sagen/schreiben will. Auch „Das kannst du doch so nicht sagen“,  für mich die bevormundende Erweiterung obiger Frage, wurde mir oft genug an den Schädel geworfen.
Doch dabei ging es nicht um die Hilfe bei der Arbeit an meinen Werken. Es ging um die Korrektur meiner eigenen Meinung.Würde ich gleich zu Beginn des Beitrags die Frage im Titel beantworten, dann wäre der Artikel mit einem „Darf er nicht nur, er MUSS es sogar.“ recht kurz gefasst und hätte trotzdem nichts wirklich Relevantes ausgelassen. Warum also weiter ausholen? Nun, zum einen sind wir hier nicht bei Twitter und zum  anderen wäre das einfach nicht ich.

 

Beginnen wir also ganz am Anfang

Was von den meisten meiner Kollegen sicherlich nur gut gemeint war, hat mich anfangs tatsächlich davon abgehalten, gewisse Dinge zu posten oder zu kommentieren. Der Gedanke dahinter, so konnte man es zumindest immer wieder den Argumentationen entnehmen, war, dass man als Autor nun mehr oder weniger in der Öffentlichkeit steht und aufpassen muss, was man sagt.

Als Begründung dazu kam immer wieder, dass ich anderen Leuten damit unangenehm auffallen könnte und das könnte man ja als Autor, der auf die Meinung anderer angewiesen ist ja nicht wollen. Vor allem dann nicht, wenn man noch neu ist und seine Fanbase erst noch aufbauen muss.

Wie gesagt, hat mich das wirklich erst einmal vom Posten oder Kommentieren vieler Dingen abgehalten und am Anfang tat das auch irgendwie gut. Es war angenehm, mal nicht zu allem und jedem etwas zu sagen zu haben, nicht immer wieder gegen negative und hasserfüllte Kommentare gegen anzugehen. Wenn ich dazu noch durch Nichtstun etwas „Gutes“ für die Reputation meines noch nicht fertigen Buches tun kann, umso besser.

Doch dieses trügerische Gefühl hielt nicht lange.
Wie bei der Idee zu einer Geschichte, die sich immer stärker in einem manifestiert und die immer stärker an den Gittern des eigenen Geistes rüttelt, bis man sie dann endlich schreibt, so wuchs auch der Widerstand in mir.
Und zu dem Widerstand gegen die Gemütlichkeit der Tatenlosigkeit gesellte sich auch schnell die Unzufriedenheit. Ich war unzufrieden mit mir selber. Warum bitte lasse oder ließ ich mich von der Meinung jener beeinflussen, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen?

Klar, bei einem Buch wäre das was anderes. Da muss die Geschichte auch dem Leser gefallen, auch wenn die Geschichte durch den Autoren erst entsteht. Aber was das angeht, habe ich ja meine Meinung schon an anderer Stelle kundgetan (und zwar hier: „Rezensionen und wie man mit ihnen umgehen kann“), das muss hier nicht wieder ausarten… ^^

Aber meine eigene Meinung ist kein Buch, welches ich verkaufen will.
Meine Meinung ist etwas, was ich vertreten will und auch vertreten sollte. Sie ist etwas, was zu mir gehört und sich nicht einfach verändern oder gar totschweigen lässt.

 

Und was war nun der Auslöser?

Nun, gut, dass ich mich das Frage, sonst tut es ja keiner ^^
Nein, mal im Ernst… Der Auslöser war ein Impuls in mir, als ich, wie leider viel zu oft, auf rassistisches Gedankengut, in Form von Buchstabendurchfall in einer Kommentarspalte stieß.

Wie auch Bella, die ständig ihren Edward sah, wenn sie im Begriff war etwas Gefährliches zu tun, so sah auch ich die Kommentare meiner Kollegen vor mir. Sätze wie „Nein, Tu es nicht.“ oder auch „Du wirst damit Leser verlieren.“ zogen an meinem geistigen Auge vorbei.
Doch dieses mal fanden sie kein Gehör.

 

„Ach scheiß drauf!“

Ja, das trifft ungefähr das, was ich mir dachte, als meine Finger schon längst dabei waren, den Post eines rechtsdrehenden meinungsgebräunten Wutbürgers in seine rhetorischen Einzelteile zu zerlegen.
Und was soll ich sagen? Es fühlte sich nicht nur erleichternd an, sonder vor allem eines. Richtig (gut)!

Ein paar Stunden später überlegte ich, ob das so gut gewesen sei, was ich da getan hatte und kam zu dem Entschluss, dass es nicht nur richtig, sondern auch seit langem überfällig war.

Denn mal ganz ehrlich, solange ich nicht wild fluchend mit Beleidigungen um mich werfe, sondern sachlich und mit der mir eigenen Art (Eine runde Mischung aus 50% Ironie und 50% Sarkasmus, beides Bio, aus eigener Produktion und zu 100% vegan) argumentiere, was soll da schon großartig verlieren?
Wem kann ich denn damit schon ernsthaft auf die Füße treten? Doch nur jenen, gegen die ich da argumentiere. Und dass es mir egal ist, was das selbsternannte Volk davon hält, dass ich nicht ihrer Meinung bin, davon könnt ihr mal ausgehen.

Mag sein, dass sich der eine oder andere dieser Möchtegerns von mir lossagt. Ich rechne sogar ganz fest damit, dass ich (nach der Verlinkung dieses Artikels auf meiner Facebook-Seite) auch ein paar „Fans“ weniger haben werde. Aber wisst ihr was? Das ist mir egal. Wer mich aufgrund der Tatsache, dass ich gegen rechtes Gedankengut angehe nicht mehr mag, der kann mir, gelinde gesagt, auch gestohlen bleiben.

 

Aber muss man denn unbedingt seinen Senf dazugeben, womöglich noch mit dem Autorenprofil?

Und schon wären wir wieder bei der Eingangsfrage: „Darf er das so sagen?“ und noch immer ist die Antwort die selbe. Na klar darf ich das und muss das. Und wo immer es mir möglich ist (in Gruppen und der App ist man da ja ein wenig eingeschränkt), werde ich dafür auch nicht mein privates Profil, sondern meine Autorenseite dafür nehmen.

Man könnte zwar nun argumentieren, dass ich mich dadurch nur selber bewerben und profilieren will. Und wenn ich ehrlich bin, ist diese Argumentation nicht nur valide, sondern trifft zu einem ganz kleinen Teil auch zu.
„Tue Gutes und rede darüber“, dieses Sprichwort wird meist in einem abfälligen Kontext verwendet, meist dann, wenn Promis sich mal wieder auf irgendwelchen Pseudogalas (Himmel, klingt „Galas“ falsch…) treffen, ein paar Tropfen ihres hart verdienten Geldes (da will ich nicht einmal widersprechen) auf den heißen Stein der Bedürftigkeit dieser Welt kippen und sich davon in der Presse eine wohlwollende Berichterstattung a.k.a. „kostenlose Werbung“ erhoffen.

 

Warum ich das bei meiner Art nicht so sehe?

Nun zum Beispiel, weil ich es nicht jedes Mal an die große Glocke hänge, wenn ich, mal wieder, einen braunen Post/Kommentar bearbeitet habe. Würde ich das tun, dann würde meine FB-Pinnwand einige dieser Selbstbeweihräucherungen  geben und andere Dinge, wie zum Beispiel auf meine Bücher bezogene Dinge würden in den Hintergrund rücken.

Andererseits fehlt bei mir, im Vergleich zu „Promis“ auch die Leute, die mit meinem Namen etwas anfangen können, sodass ein Bericht bzw auch nur eine Erwähnung meiner Person ungefähr genau ein Ergebnis haben würde: „Häääh, wer?“

 

Ok, wenn du es nicht aus Gründen der Werbung tust, warum dann?

Wieder eine berechtigte Frage. Warum nutze ich dafür nicht einfach ausschließlich mein privates Profil und schütze somit meine Autorentätigkeit? Wäre es nicht sogar lustig, wenn die besorgten Bürger, durch den Kauf meiner Werke, ihren „Feind“ selber mitfinanzieren?

Ich muss zugeben, dass ich mehr als nur einen Moment darüber nachgedacht habe. Und ja, es ist verlockend. Sehr verlockend. Vor allem dann, wenn die Brieftasche mal wieder aus Zwiebelleder ist.

Ich hab mich dann aber doch dazu entschieden, wo es geht (und ich daran denke, es umzustellen), mein Autorenprofil zu nutzen und zwar aus einem Grund. Ich wollte nicht heuchlerisch wirken.
Ich kann nicht verlangen, dass die Leute gegen das selbsternannte Pack Volk anzugehen und wenn es nur auf Facebook ist, wenn ich mich selber verstecke.

Und dazu zählt es, für mich persönlich zumindest, auch, dass ich das Risiko eingehe, potentielle Fans, Freunde und Leser zu verlieren.

Denn wozu das Schweigen führen kann, das hat uns die Vergangenheit schon gelehrt.
Die Gegenwart sollten wir dazu nutzen, zu beweisen, dass wir, die „Krönung der Schöpfung“, auch fähig sind, anders zu handeln.

Wenn ich nicht bereit bin, auch nur das Geringste einzusetzen, dann würde ich mir selbst nicht mehr glauben können.
Es wird immer jemanden geben, der mehr hat und es wird immer jemanden geben, der weniger hat.
Wie soll ich jemanden, der mehr hat, zum handeln bewegen, wenn ich nicht einmal bereit bin, etwas vermeintlich geringeres einzusetzen und wie soll ich von jemandem, der weniger hat Tatendrang einfordern, wenn ich ihm das Gefühl gebe, dass es eh immer nur von der untersten Schicht verlangt wird, dass was passiert?

Viele sind der Meinung, dass man durch das Gegenangehen bei Kommentaren nichts erreichen kann.
Ein Gedanke, den ich im Ansatz sogar nachvollziehen kann.
Aber was ist denn die Alternative? Ganz sicherlich nicht die Wahl einer blau/roten Partei, die selbst nicht mal weiß, was sie wollen oder nicht wollen. Ich meine, was ist die Alternative, zu der Reaktion auf den Hass im Netz? Schweigen? Ignorieren? Hoffen, dass es von selbst aufhört?

Ich mag mich da wiederholen, aber sollten wir aus der Vergangenheit nicht gelernt haben was passiert, wenn man solche Dumpfbacken gewähren lässt, auf welcher Basis auch immer?
Früher hatten die Leute es leichter, das Offensichtliche zu ignorieren, um hinterher zu behaupten, sie hätten nichts gewusst.
Aber wir haben heute das Internet, Foren, „soziale“ Netzwerke etc…
Das Einzige, worin wir es nun leichter haben, ist andere Möglichkeiten zum Wegschauen zu finden.
Wie können, wie ein Kindergartenkind die Hände vor die Augen schlagen und sagen „Ich seh euch (Probleme) nicht, ihr seht mich auch nicht.“ oder wir schauen hin und reagieren.
Ich hab mich für Letzteres entschieden.

Ja, einer alleine kann nicht viel erreichen.
Ja, meine Seite hat eine zu geringe Reichweite, um wirklich groß etwas bewegen zu können.
ABER wenn ich nur einen „bekehre“ oder aus seiner Lethargie reiße, dann kann derjenige das weiterführen.

Wir alleine können wenig erreichen.
Aber wenn wir deswegen alle nichts  machen, dann macht niemand etwas.
Ja, wir alleine schaffen vielleicht nur wenig.
Aber jeder von uns kann der verdammte Stein des Anstoßes sein.

Und genau deswegen kommentiere ich wieder „fröhlich“ drauflos, wenn mir etwas nicht passt, vor allem bei solchen Beiträgen.

Alleine schon um zu zeigen, dass wir Autoren nicht nur die Schreiber von Geschichten sind, sondern vor allem auch eins.

Menschen.
Menschen mit eigener Meinung, die wir auch dann vertreten, wenn es mal NICHT um unseren eigenen Vorteil geht.

 

Und genau dazu möchte ich euch, zum ende dieses Beitrages aufrufen.

Seid Menschen, habt eine eigene Meinung, lasst euch nicht vom Hass in die Rolle des Ertragenden drücken, sondern steht auf und werdet aktiv (In welcher Form auch immer, solange sie friedlich ist).
Zeigt den Braunen da draußen, dass sie eben nicht das Volk sind, sondern nur eine kleine erbärmliche Minderheit, die aktuell einfach nur lauter ist als der Rest.

Seid der Stein des Anstoßes

KRAAAAAAAH!

Patricius de Corax

P.S.: Sollest du zu denen zählen, die sich nun angegriffen fühlen, so biete ich dir als Service folgende Liste an Maßnahmen.

  1. Überlege, ob du bei deiner Meinung bleiben willst
  2. Wenn ja: Schade, gehe weiter zu Punkt 6.
  3. Wenn nein: Glückwunsch, du bist auf dem richtigen Weg.
    Ich freue mich für und bin stolz auf dich.
  4. Alleine wirst du es eventuell nicht schaffen, dich von der Szene loszusagen.
    Aber du bist nicht alleine. Es gibt diverse Programme, die dir helfen können, unter anderem z.B. Exit-Deutschland, eine Initiative, die genau Menschen wie dir helfen will.
    Melde dich bei ihnen, mit mehreren ist vieles leichter.
  5. Bleib deinem neuen Weg treu, auch wenn es schwer wird. Es ist der Richtige!
  6. Wenn dir wirklich nicht mehr zu helfen ist, dann gehe bitte auf Facebook und prüfe, ob du mich vielleicht aus Versehen geliked hast.
    Um es dir leichter zu machen: Patricius de Corax auf Facebook (einfach klicken, dann musst du nicht suchen.
  7. Entlike bitte meine Seite.
  8. Solltest du mit Schritt 6 und Schritt 7 überfordert sein, melde dich gerne bei mir, ich entferne dich dann eigenhändig von meiner Seite.
    Soll ja keiner sagen, ich wäre nicht hilfsbereit.

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